Wie wird aus Radarforschung ein Geschäftsmodell? Das FAU-Spin-off fiveD entwickelt eine Simulationsplattform, die Radarsysteme mithilfe digitaler Zwillinge realitätsnah abbildet. Die Idee entstand aus eigener Forschungserfahrung: Moderne Radarsysteme zu entwickeln, ist komplex und aufwendig. Doch im Gespräch mit Kunden zählt nicht jede technische Möglichkeit – sondern zuerst die Lösung eines konkreten Problems. Im Interview erzählt das Team, wie die FAU den Weg in die Gründung unterstützt hat, warum der Wechsel vom Forscher zum Unternehmer herausfordernd ist und weshalb frühe Gespräche so wichtig sind.

Stellt euch bitte kurz vor: Was genau macht euer Startup und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?
fiveD entwickelt eine Simulationsplattform für Radarsysteme – die fiveD Radar Simulation Suite. Unsere Lösung ermöglicht es, realistische Radardaten auf Basis digitaler Zwillinge synthetisch zu generieren – mit präziser Modellierung von Wellenausbreitung, komplexen Mehrwegeffekten und mehr. Unsere Simulationen tragen dazu bei, dass Radarsysteme schneller und günstiger entwickelt und eingesetzt werden können. Dabei kann durch bisher unerreichte Möglichkeiten zum KI-Training auch die Leistungsfähigkeit signifikant gesteigert werden. Und das funktioniert in allen Bereichen, in denen Radar eingesetzt wird – von smarten Bewegungsmeldern über Sicherheitsscanner am Flughafen bis hin zum vollautonomen Fahren.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Die Idee entstand während unserer Zeit als Doktoranden am Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik (LHFT) der FAU Erlangen. Durch die Forschung im Bereich Radarsysteme haben wir hautnah erlebt, wie komplex, langwierig und oft frustrierend die Entwicklung von moderner Radarelektronik und der dazugehörigen Algorithmik ist – die Industrie leidet unter den gleichen Problemen. Physikalisch präzise Simulationen können diese Herausforderung lösen, da schon ganz am Anfang klar wird, ob der jeweilige Sensor für die Applikation funktionieren kann oder nicht. Daher haben wir uns dann intensiv damit auseinandergesetzt, wie man physikalisch präzise die elektromagnetische Wellenausbreitung für Radare modellieren kann – mit der Vision, diese Erkenntnisse in eine praxisnahe Simulationslösung zu überführen.
Welche Rolle spielte die Hochschullandschaft für eure Gründungsinitiative? Wovon habt ihr besonders profitiert?
Wir haben uns während unserer Zeit am Lehrstuhl kennengelernt – und dort auch das Know-how aufgebaut, auf dem fiveD heute basiert. Auch unser Team stammt zum Großteil aus dem Uni-Umfeld. Wir wussten, wie stark die Ausbildung ist, und konnten ohne große Umwege ein top eingespieltes Team zusammenstellen. Beim Gründen selbst hat uns die FAU mit intensiver Gründungsberatung unterstützt – ob durch Kontakte, Feedback zu Businessplänen oder einfach ehrliche Gespräche über die Realität des Unternehmerseins. Auch heute arbeiten wir eng mit der Uni zusammen, etwa in Förderprojekten oder in enger Kooperation mit dem LHFT, um technologisch an vorderster Front zu bleiben. Ohne die FAU wäre fiveD nicht das, was es heute ist – fachlich wie menschlich haben wir dort die Basis gelegt.
Was waren bzw. sind aktuell die bislang größten Herausforderungen für euch?
Unser Wissenschaftsherz schlägt bei uns allen noch ziemlich laut – und das merkt man auch im Alltag. Wir sind oft sofort begeistert von dem, was technisch alles möglich wäre, und wollen das dem Kunden natürlich auch zeigen. Der interessiert sich aber meist zunächst nur für eine konkrete Lösung seines Problems. Diese Balance zwischen technischer Vision und pragmatischer Kundenperspektive hinzubekommen, ist nicht trivial. Gleichzeitig arbeiten wir uns gerade in die ganzen Business-Themen ein – von Vertrieb über Pricing bis hin zur Finanzplanung. Wir kommen alle aus dem technischen Bereich, daher ist vieles noch Neuland für uns. Aber genau das macht’s auch spannend.
Welche Empfehlung oder welchen Tipp möchtet ihr anderen Gründern und Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?
Redet so früh wie möglich mit möglichst vielen Leuten – Freunden, Kollegen, potenziellen Kunden, Investoren, Beratern. Und zwar nicht erst, wenn der Plan schon steht, sondern gerade dann, wenn noch alles offen ist. Denn am Ende kommt sowieso alles anders als gedacht. Frühes Feedback hilft enorm, blinde Flecken zu vermeiden, neue Perspektiven zu entdecken – und manchmal auch die entscheidende Idee überhaupt erst zu schärfen, um dann entschlossen durch offene Türen zu gehen.
Hier mehr Über fiveD erfahren: www.fived.ai

Das Gründungsvorhaben wurde durch Angebote der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unterstüzt.
