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TU eMpower Africa e.V.

Der Verein TU eMpower Africa e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Afrika Gründer und Start-ups zu befähigen und so eine nachhaltige Energie-, Wasser- und Nahrungsversorgung aufzubauen. Mit solch einem „Empowerment“ wird Entwicklungszusammenarbeit von Wissenschaftlern und Studierenden der Technischen Universität München (TUM) vollkommen neu gedacht. „Letztendlich glauben wir also, dass die Landwirte und Kleinbauern selbst die ultimativen Sozialunternehmer sind.“, so Gründer Christopher Schulze. Als „Accelerator“ unterstützt der Verein mit Forschung, Know-how, Netzwerken und Geld vor Ort innovative Systemlösungen. Wir haben mehr in unserem Interview mit TU eMpower Africa e.V. erfahren:

1. Stellt euch bitte kurz vor: Was genau macht euer Verein und was ist das Besondere an eurer Idee?

Wissenschaftler und Studierende der Technischen Universität München (TUM) entwickeln gemeinsam mit afrikanischen Partnern innovative Systemlösungen, mit deren Hilfe sich Gemeinden in Afrika eine nachhaltige Energie-, Wasser- und Nahrungsversorgung aufbauen können. Unsere Energy-Water-Food-Konzepte beruhen auf dem System der Kreislaufwirtschaft.

Dabei versorgen zum einen durch Photovoltaik-Module die Schulen, Krankenhäuser und Haushalte einer ländlichen Gemeinde mit günstigem Solarstrom. Zum anderen werden Wasserpumpen zur Wasserversorgung errichtet. Dadurch ist in der Gemeinde neben dem privaten Wasserbedarf auch die Wasserversorgung der lokalen Farmer gesichert. So können die Farmer erstmalig ganzjährige Landwirtschaft betreiben und sie steigern ihre Produktivität erheblich.  Die Mehrernte führt zu mehr Biomasseabfällen, welche vor Ort in kleinen Biogasanlagen zu Biogas vergärt werden. Aus diesem kann wiederum mittels Biogasgeneratoren genügend Strom erzeugt werden, um in Zeiten ohne Solarstrom den lokalen Bedarf zu decken. So können teure und wartungsintensive Batteriespeicher vermieden werden. Das Biogas kann auch zum Kochen verwendet werden. Damit wirken wir der Abholzung in der Gemeinde entgegen und tragen dazu bei, gesundheitliche Langzeitschäden, die durch das Kochen mit Feuerholz entstehen,  zu vermindern.

Das besondere an unserem Ansatz: Auch die ökonomische Nachhaltigkeit der Projekte ist gewährleistet. Denn durch die gesteigerten Ernteerträge in der Landwirtschaft, können die hohen Investitionskosten in die Infrastruktur mittelfristig von der lokalen Bevölkerung zurückgezahlt werden.

2. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Viele ländliche Dorfgemeinschaften in Afrika sind bisher auf Subsistenz-Landwirtschaft angewiesen und haben keinen Zugang zu Elektrizität. Der gesamte Kontinent hat jedoch ein großes, bisher kaum ausgeschöpftes Potential für die Nutzung erneuerbarer Energieträger und nachwachsender Ressourcen. Motiviert durch zahlreiche Abschlussarbeiten von Studierenden der TUM mit Fokus auf nachhaltige Entwicklung in Afrika, entstand 2016 das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk “TU eMpower Africa“.

Unsere Energy-Water-Food-Konzepte nutzen ausschließlich erneuerbare Energiequellen, um Trinkwasser und Nahrungsmittel lokal und nachhaltig bereitzustellen. Unsere Aktivitäten basieren auf einem Drei-Phasen-Modell: Die Konzeption eines nachhaltigen Geschäftsmodells und Dimensionierung einer Infrastruktur, die Mittelbeschaffung, die Installation vor Ort durch Studierende und Workshops zur Projektübergabe an die Gemeinden. Gemeinsam mit dem Verein Learning from the roots e.V. wurden bereits in St. Rupert Mayer in Simbabwe eine Biogasanlage sowie zwei solarbetriebene Wasserpumpen implementiert.

3. Welche Rolle spielte die Hochschullandschaft für eure Initiative? Wovon habt ihr besonders profitiert?

Die Professionalisierung unserer Aktivitäten in einem gemeinnützigen Verein war das Ergebnis von kontinuierlichem und ehrenamtlichem Engagement von Promovierenden und Studierenden der TUM verbunden mit dem Wunsch, die interdisziplinäre Forschung in die Realität umzusetzen. In diesem Rahmen wirken viele TUM Professoren verschiedenster Fakultäten unterstützend und beratend auf unsere Arbeit und Forschung ein. Der Verein wurde im Sommer 2018 auch als studentische Hochschulgruppe der TUM akkreditiert. Dies ist essentiell, da wir eine Mehrheit von motivierten Freiwilligen und Praktikanten aus dem Umfeld der TUM akquirieren.

Der Zugang zu Fördergeldern für Reisefinanzierung, Betreuung der Studenten oder Veranstaltungen, wie unsere „Empower Africa Night“ gemeinsam mit UnternehmerTUM, ist essentiell für unsere Arbeit und wird durch andere Vereine aus dem Umfeld der TUM, wie Learning from the roots e.V. oder dem Bund der Freunde der TU München e.V. unterstützt. Bei Gesprächen zur zukünftigen, strategischen Ausrichtung der TUM erhielten wir schon einmal die Einladung unseres neuen TUM-Präsidenten. Wir sind sehr dankbar für all die Unterstützung und Anerkennung, die wir von unserer ‚Alma Mater‘ erhalten. Dennoch ist es uns wichtig hervorzuheben, dass wir als eingetragener Verein rechtlich und organisatorisch vollkommen unabhängig von der TUM agieren.

4. Was waren die bislang größten Herausforderungen für euch?

Unsere Arbeit beruht auf Ehrenamt und Freiwilligkeit, sodass Verantwortungen und Leadership wechseln. Mittlerweile sind wir aber als Organisation soweit gereift, dass die Einbindung von neuen, hochmotivierten Freiwilligen reibungslos funktioniert. Die Corona-Pandemie war natürlich auch für uns anfangs ein Schock, da so manche Zeit– und Reisepläne über den Haufen geworfen wurden. Aber wir haben uns nicht entmutigen lassen, und haben von Deutschland aus eine Crowdfunding-Kampagne auf Betterplace.org ins Leben gerufen, in der wir bereits über 18.000 EUR für unser Pilot- und Herzensprojekt in Simbabwe eingesammelt haben. Die dadurch ermöglichte Umsetzung einer zweiten solarbetriebenen Wasserpumpe in der Gemeinde St. Rupert Mayer hat auch ohne unsere Anwesenheit vor Ort reibungslos geklappt, da das von uns bereits geschulte, lokale Personal die Umsetzung des Projekts durch ein lokales Unternehmen dokumentierte und begleiteten konnte.

5. Gibt es bereits erste Gründungen und werden betriebswirtschaftlich sich selbst tragende Projekte aufgebaut? Wie genau schafft TU eMpower Africa e.V. es, vor Ort Gründer und Start-ups mit unternehmerischen Fähigkeiten auszustatten?

Im Rahmen unseres Pilot-Projekts in Simbabwe begann im Februar die Implementierung eines bahnbrechenden Projektes: Wir haben ein ‚Agribusiness‘ eingeführt, ein kommerzieller Landwirtschaftsbetrieb zur Versorgung der Gemeinde mit landwirtschaftlichen Produkten. Es wurden sechs feste Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen: Ein Farm-Manager, der die landwirtschaftlichen Aktivitäten plant und koordiniert, vier Feldarbeiter und ein Buchhalter. Zwei Freiwillige unseres Vereins haben die neuen Mitarbeiter gemeinsam eingearbeitet und geschult, vor allem hinsichtlich Projekt-Management.

Die positiven Auswirkungen des Agribusiness sind vielfältig. Die Ernte wird bevorzugt an die Mitglieder der Gemeinde verkauft (Krankenhaus, Kloster, Schulen und private Haushalte). Zusätzlich soll ein Teil davon im Markt in der nächsten Stadt Chinhoyi verkauft und somit die finanzielle Nachhaltigkeit des Projektes gesichert werden. So wird es der Dorfgemeinschaft ermöglicht, eine große Auswahl an frischem Gemüse zu günstigen Preisen einzukaufen und dadurch eine ausgewogenere Ernährung zu gewährleisten. Außerdem soll das Projekt in Zukunft weiterwachsen und noch mehr Angestellte engagieren, was die Möglichkeiten der Einheimischen deutlich verbessert.

Mit dem Einführen des Agribusiness wurde unser Model der Energy-Water-Food-Systeme endgültig zur Kreislaufwirtschaft. Die Solaranlagen produzieren den Strom, der zum Betreiben der Wasserpumpen verwendet wird. Das Wasser findet als Trinkwasser und als Bewässerungsquelle Verwendung. Durch die Möglichkeit, die Felder kontinuierlich zu bewässern, können Lebensmittel über das gesamte Jahr hinweg hergestellt werden. Die landwirtschaftlichen Abfälle sowie die Essensreste werden zu guter Letzt in der Biogasanlage verwertet und die Gärreste der Biogasanlage werden vom Agribusiness als Dünger gebraucht.

Letztendlich glauben wir also, dass die Landwirte/Kleinbauern selbst die ultimativen Sozialunternehmer sind. Sie schaffen die lokalen Arbeitsplätze und tragen zu Ernährungssicherung in ihrer Gemeinde bei. Wir wollen ein „Accelerator“ für sie sein, indem wir sie mit Forschung, Know-how, Netzwerken und Geld unterstützen.

6. Welche Empfehlung oder welchen Tipp möchtet ihr anderen mit auf den Weg geben?

Unsere größte Stärke ist unsere Diversität. In unserer letzten Generalversammlung (natürlich in Pandemie-Zeiten digital abgehalten) waren Studierende aus über 20 Ländern in der Schaltung; die Zusammenarbeit mit so vielen Menschen aus anderen Kulturkreisen hat auch unseren Investor sichtlich begeistert. Wenn man Projekte in Afrika, mit all seinen diversen Ländern, Sprachen und Kulturen, umsetzen will, braucht man interkulturelle Expertise und am besten Menschen, die in beiden Welten gelebt haben. Wir achten darauf, dass unser Board daher immer vielseitig und divers besetzt ist, derzeit mit Promovierenden und Studierenden von vier Kontinenten. Auch dadurch schaffen wir es, die Menschen vor Ort wirklich zu verstehen und mitzunehmen und so das Vertrauen in uns und unsere Projekte schneller aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Hier mehr über das Projekt erfahren: tu-empower-africa.org