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AJA

Das Startup Aja, bei ihrer Namensgebung inspiriert durch die afrikanische Göttin des Waldes, hat sich das Ziel gesetzt durch ihre zukunftsorientierte Holz- und Waldwirtschaft das nachhaltige Management von Wäldern zu ermöglichen und damit den, besonders von der Klimakrise betroffenen, Wald zu schützen. Die drei Gründer, Giovanni Carmantin, Dr. Friedrich Förstner und Dr. Jake Turner, gefördert durch die UnternehmerTUM und die EU Climate KIC haben im HOCHSPRUNG Interview über ihre Idee, die Herausforderungen und ihre Tipps für alle (zukünftigen) Gründer gesprochen.

Stellt euch bitte kurz vor: Was genau macht euer Startup und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?

Unsere Wälder machen derzeit eine schwerwiegende Transformation durch. Die rapide Veränderung der klimatischen Bedingungen bringen bestehende Gleichgewichte aus der Balance. Mit dem großflächigen Verfall von Waldgebieten verlieren wir eine systemkritische CO2 Senke, stoßen weitere Treibhausgase aus und eine Spirale des sich beschleunigenden Klimawandels entwickelt sich.

Unsere Wälder könnten jedoch auch einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen Existenz und der Bewältigung der Klimakrise beitragen. Gesunde Wälder binden selbst CO2, stabilisieren die CO2 Speicherung der Böden und ihr Holz ermöglicht zudem die CO2 sparsames Bauen. Dies bedingt jedoch einen systematischen Wandel in Weise wie wir mit unseren Wäldern als Ökosyteme und Holzquellen umgehen.

foldAI trägt aktiv zu der Vision einer zukunftsorientierten, zirkulären Holz- und Waldwirtschaft bei. Wir entwickeln intelligente Sensornetzwerke für ein präzises Monitoring und nachhaltiges Management von Wäldern. Wir nutzen dazu Technologien der 4ten Industriellen Revolution wie Internet-of-Things, moderne Sensorik und KI. Die fundamentalen Dynamiken des Waldökosystems werden lokal mit Netzwerken von Sensoren erfasst und auf einer Plattform mit Satellitendaten verknüpft und visualisiert. Hier können die unterschiedlichen Akteure des Waldmanagements mit ihrer eigenen Expertise klare, datengetriebene Entscheidungen treffen, gemeinsam Prioritäten setzen und Strategien entwickeln.

Durch unsere bisherige Erfahrung mit kostengünstiger, energiesparsamer Elektronik können wir unsere Lösungen der ganzen Breite an Förstern und Waldbesitzern zugänglich machen.

Wir nennen unsere Plattform „Aja“, nach der afrikanischen Göttin des Waldes.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Vor zwei Jahren sind uns drei zentrale Dinge klar geworden:

  1. Der reale, ökonomische Wert unserer Ökosyteme wird derzeit nur sehr marginal erfasst und hat bei Bebauungsplanungen verglichen mit kommerziellen Landnutzungsoptionen meist nur eine untergeordnete Rolle. Es fehlen dabei oft einfach die Daten.
  2. Den Förstern kommt im Klimawandel eine noch bedeutsamere Rolle als zuvor zu. Die gängigen Werkzeuge und Arbeitsprozesse stammen jedoch oft noch aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Digitale Technologien und KI bietet ein großartiges Potential für ein modernes, nachhaltiges Waldmanagement.
  3. Die Urbanisierung führt zu einer zunehmenden Distanzierung zu unseren biologischen Wurzeln. Der Klimawandel ist auch eine Krise der Kommunikation mit unserer Umwelt, zu der wir die Bodenhaftung verloren haben. Wir stehen für eine moderne, gesündere Integration von Ökosystem und urbanen Leben, digital und physisch.

Zusammen mit unseren bisherigen Erfahrungen mit Sensorsystemen und künstlicher Intelligenz und dem Bedürfnis etwas Positives zur Klimakrise beizutragen, war für uns der Plan dann plötzlich sehr klar.

Welche Rolle spielte die Hochschullandschaft für eure Gründungsinitiative? Wovon habt ihr besonders profitiert (Angebote, Veranstaltungen, Wettbewerbe usw.)?

Unsere Promotionen haben uns die Basis für das naturwissenschaftliche und das ingenieurtechnische Mindset mitgegeben. Wir drei sind alle an den akademischen Schnittstellen zwischen Biologie und Technologie geschult worden und tragen diese Stärke in unser neues Startup mit ein. Inzwischen hilft uns auch die UnternehmerTUM unsere Ideen weiterzuentwickeln, sie marktreif zu machen und unterstützt uns neben EU Climate KIC auch finanziell. Die vielfältigen Events der bayerischen Forschungs- und Förderungslandschaft haben uns dabei immer wieder motiviert selbst unternehmerisch tätig zu werden.

Was waren die bislang größten Herausforderungen für euch?

Die technischen und ökonomischen Aspekte von Aja sind sehr anspruchsvoll. Unsere Sensoren müssen über Jahre hinweg in den Wäldern ohne größere Ausfälle unter rauen Wetterbedingungen erheben können.

Unsere Wälder sind zwar systemkritisch, werden ökonomisch jedoch noch nicht derart wahrgenommen. Daher sind Budgets für Prävention derzeit nur sehr klein und unsere Lösungen und unternehmerische Planung von vornherein darauf ausgelegt.

Dann ist da noch die Integration in die Alltagsprozesse der Förster. Unsere Lösungen werden nutzerzentriert entwickelt und wir arbeiten daher sehr eng mit Förstern zusammen. Aber auch hier ergeben sich manchmal große Herausforderungen von der Theorie in die Praxis

Welche Empfehlung oder welchen Tipp möchtet ihr anderen Gründern und Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Wir können nur empfehlen ein Unternehmen auf persönliche und gesellschaftliche Werte und einen wirklichen Purpose aufzubauen. Der Weg als Unternehmer ist oft steinig und eine klare Zielsetzung (über eigene finanzielle Ziele hinweg) gibt Durchhaltevermögen und stimuliert Kreativität, auch in den schweren Zeiten. Das regelmäßige Scheitern und Aufstehen sollte man übrigens ganz bewusst mit seinen Mitgründern(-innen) und seiner unternehmerischen Kohorte erfahren. Spätestens hier merkt man auch, ob man das richtige Team an seiner Seite hat.