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Liotec

Die Pflegeberufe sind jetzt wichtiger denn je – durch die Pandemie wurde deutlich wie unterbezahlt und unterbezahlt Pflegeeinrichtungen sind. Doch das Problem des Pflegenotstands ist nicht erst durch die Corona-Krise bekannt geworden, der akute Pflegenotstand hat die drei Gründer Julius Egelkraut, Alexander Hubov und Daniel Ryl schon im Jahr 2018 zu der Idee ihres Start-ups Liotec geführt. Das Start-up aus Bayreuth und Hof hat eine Software mit einem individuelles Bonussystem mit selbstfestgelegten Kriterien unter Berücksichtigung steuerfreier Sachbezüge für Unternehmen entwickelt. Dadurch sollen Pflegeeinrichtungen beliebter werden und dadurch auch dem Personalmangel entgegenkommen. Das Gründungsteam hat sich im Rahmen eines Gründungskurses an der Uni Bayreuth kennengelernt und gemeinsam die Idee entwickelt. Im Interview erzählen sie uns von ihren Herausforderungen und wie sich die Corona-Pandemie auf ihr Start-up ausgewirkt hat.

Stellt euch bitte kurz vor: Was genau macht euer Startup und was ist das Besondere an eurer Geschäftsidee?

Mehr als ein „Dankeschön“ und Applaus! Unsere Software Value ermöglicht Unternehmen, individuelle Bonussysteme mit selbst festgelegten Kriterien unter Berücksichtigung steuerfreier Sachbezüge einzurichten. So helfen wir Pflegeeinrichtungen und weiteren Organisationen des Gesundheits- und Sozialwesens Arbeit attraktiver zu gestalten und dem prekären Personalmangel entgegenzuwirken. Gerade momentan ist die Wertschätzung unserer Helden des Alltags wichtiger denn je und wir merken, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben!

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Vor unserer Gründung ist uns bewusst geworden, dass wir in Deutschland einen akuten Pflegenotstand haben. Zusätzlich zeigen zahlreiche Studien, dass sich diese Situation zukünftig noch verschlechtern wird. Dazu hat uns gewundert, dass viele Pflegende dem Beruf wegen ihrer Unzufriedenheit den Rücken kehren – Stichwort „#Pflexit“, einen Trend, den man in den sozialen Medien beobachten kann. Um herauszufinden, was die Ursache dafür ist, haben wir im Rahmen einer Umfrage betrachtet, welche Faktoren die Unzufriedenheit von beruflich Pflegenden beeinflussen. Ein zentrales Ergebnis war, dass fehlende Wertschätzung einer der größten Einflussfaktoren auf die Unzufriedenheit ist. Dies haben wir zum Anlass genommen, uns mit vielen Pflegenden und Einrichtungsleitern zu unterhalten und Ideen zu entwickeln, wie man diese Problematik angehen kann – dabei ist Value entstanden.

Welche Rolle spielte die Hochschullandschaft für eure Gründungsinitiative? Wovon habt ihr besonders profitiert (Angebote, Veranstaltungen, Wettbewerbe usw.)?

Wir haben uns als Gründerteam im Rahmen eines Gründungskurses an der Universität Bayreuth kennengelernt. Zwar haben wir in dem Kurs noch an einer anderen Idee gearbeitet, jedoch haben wir gelernt, als Team zusammenzuarbeiten sowie von einer Idee zu einem innovativen Geschäftsmodell mit einem ersten Prototypen zu kommen. Seitdem hat uns die Universität Bayreuth mit ihren zahlreichen Angeboten, wie beispielsweise der Gründungsberatung unterstützt. Aber auch über die Universität Bayreuth hinaus haben wir durch die vielen Angebote der Hochschullandschaft Bayern profitieren können. So haben wir u.a. an der Demo Night in Nürnberg als Aussteller teilgenommen oder waren ebenfalls Teilnehmer beim BayStartUP Businessplanwettbewerb.

Was waren die bislang größten Herausforderungen für euch?

Eigentlich gab es nicht „die“ eine große Herausforderung. Das Gründen ist durch die Bewältigung ständiger Herausforderungen geprägt. Es kommt jedoch immer auf die richtige Einstellung und die Lösungsorientiertheit des Gründerteams an, Herausforderungen zu bewältigen. So sind wir bisher rein organisch aus eigener Kraft gewachsen, haben jedoch schon bundesweit Kunden und haben vor kurzem unseren ersten Mitarbeiter in Vollzeit angestellt, worauf wir sehr stolz sind.

Welche Empfehlung oder welchen Tipp möchtet ihr anderen Gründern und Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Holt euch viele Meinungen ein, aber geht euren eigenen Weg!

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Euer Startup aus?

Die Corona-Pandemie zeigt die Wichtigkeit der systemrelevanten Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen. Darüber hinaus wurden die Defizite bei Themen wie Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und Digitalisierung noch offensichtlicher. Das stärkere Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft darüber führte u.a. dazu, dass Wertschätzung über Applaus ausgedrückt wurde und auch Digitalisierungsvorhaben verstärkt und ernsthaft angegangen wurden. Einige unserer Kunden haben auch schon Corona-Boni über Value ausgeschüttet, bevor die Bundesregierung die Möglichkeit der steuerfreien Sonderzahlung bis zu 1.500 Euro geschaffen hatte. Dementsprechend sehen wir auch in der aktuell schwierigen Situation das Positive und denken, dass sie insgesamt für die Zukunft eine Chance darstellt.

Operativ konnten wir während den ersten Wochen der Corona-Pandemie zu Pflegeeinrichtungen und Kliniken natürlich nur schwer Kontakt aufnehmen, da diese einerseits für Besucher geschlossen wurden und sich andererseits auf die neuen Anforderungen umstellen mussten. Auch Vertragsabschlüsse wurden teilweise auf unbestimmte Zeit verschoben, sodass sich unser Umsatzwachstum verlangsamt hat.